PM 40 / 19.04.2021

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21.04.2021 PM 40 / 19.04.2021 Tarifabschluss für Metall- und Elektroindustrie in Bayern

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PM 40 / 19.04.2021

Tarifabschluss für Metall- und Elektroindustrie in Bayern

  • Transformationsgeld als neue jährliche Sonderzahlung
  • Arbeitszeitsenkung mit Teilentgeltausgleich möglich
  • 500 Euro Corona-Beihilfe
  • Bayerische Besonderheiten bei Zukunftstarifverträgen und Übernahme für Dual Studierende
  • Horn: "Uns ist der Einstieg in eine gemeinsame Gestaltung des industriellen Wandels gelungen."

Die IG Metall Bayern und der Arbeitgeberverband vbm haben heute in München einen Tarifabschluss für die Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie erzielt. Die Tarifparteien übernehmen den Pilotabschluss aus Nordrhein-Westfalen und haben einige bayerische Besonderheiten geregelt. Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagt: "Mit diesem Abschluss haben wir unsere Ziele in der Tarifrunde erreicht: Wir stabilisieren die Einkommen, sichern Beschäftigung und schaffen Zukunftsperspektiven. Die Beschäftigten bekommen mehr Geld. Und wir können künftig die Arbeitszeit absenken mit einem Teilentgeltausgleich. So sichern wir Arbeitsplätze."

Im Juni erhalten die Beschäftigten 500 Euro netto als Corona-Beihilfe, Auszubildende bekommen 300 Euro netto. Horn: "Das ist eine echte finanzielle Anerkennung für die Leistungen und Belastungen der Beschäftigten in der Corona-Krise."

Ab 2022 gibt es dauerhaft eine neue jährliche Sonderzahlung, die immer im Februar ausgezahlt wird. Dieses Transformationsgeld beträgt im Februar 2022 18,4 Prozent eines Monatsentgelts, ab Februar 2023 immer 27,6 Prozent eines Monatsentgelts. Das Besondere dabei ist: Die Betriebsparteien entscheiden, ob das Transformationsgeld tatsächlich ausgezahlt oder für einen Teilentgeltausgleich bei einer kollektiven Arbeitszeitabsenkung zur Beschäftigungssicherung eingesetzt wird. Damit verbunden sind neue Möglichkeiten, nach Ablauf der Kurzarbeit die Arbeitszeit in Betrieben bis zu drei Jahre lang von 35 auf 32 Wochenstunden abzusenken.

Horn: "Damit bekommen Betriebsräte im industriellen Wandel ein neues flexibles Instrument, um Jobs und Einkommen zu sichern. Je nach Bedarf können die Betriebsparteien das Transformationsgeld und weitere Sonderzahlungen für Arbeitszeitabsenkungen einsetzen."

Der Tarifabschluss setzt auch erstmals einen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge. Die Betriebsparteien können Zukunftsverhandlungen aufnehmen und sich auf ein betriebliches Zukunftskonzept einigen. Gelingt das nicht, greift eine bayerische Besonderheit: Wenn Betriebsräte das wünschen, müssen die Tarifvertragsparteien (also IG Metall Bayern und vbm) künftig Gespräche über Zukunftstarifverträge führen. Zeigt sich ein Betrieb offen für solche Gespräche und Verhandlungen über Zukunftsperspektiven, berücksichtigt die IG Metall diese Kooperationsbereitschaft im Falle möglicher Anträge auf Abweichungen vom Tarifvertrag. Verweigert sich ein Betrieb diesem kooperativen Ansatz, muss er mit Vorbehalten der IG Metall rechnen, wenn er vom Tarifvertrag abweichen will.

Horn: "Mit dieser Regelung zu Zukunftstarifverträgen ist uns der Einstieg in eine gemeinsame Gestaltung des industriellen Wandels von Betriebsräten, IG Metall und Arbeitgebern gelungen. Die Zukunft wird zeigen, ob dieser kooperative Geist des Tarifvertrags auch in der Praxis von den Betriebs- und Tarifparteien umgesetzt wird. Die Transformation einseitig auf Kosten der Arbeitnehmer zu bewältigen, wird nicht funktionieren."

Auch beim Thema Dual Studierende gibt es eine bayerische Besonderheit. Ausbildungsintegrierte Dual Studierende erhalten künftig genauso wie Auszubildende ein Angebot zur Übernahme nach Abschluss des Studiums. Praxisintegrierte Dual Studierende sollen bevorzugt eingestellt werden. Beides ist nun erstmals tarifvertraglich geregelt. Horn: "Damit geben wir den Dual Studierenden Planungssicherheit und Zukunftsperspektiven. In Corona-Zeiten ist das für die jungen Menschen noch wichtiger."

Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 30. September 2022. Die Tarifkommission der IG Metall Bayern muss dem Ergebnis übermorgen noch zustimmen.

Damit endet eine mit vier Monaten ungewöhnlich lange Tarifrunde. Erst intensive vierwöchige Warnstreiks mit allein in Bayern fast 252.000 Warnstreikenden haben Bewegung in die Tarifrunde gebracht. Das war die größte Warnstreik-Beteiligung im Bundesgebiet.

In Bayern arbeiten rund 840.000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie. Davon sind rund 475.000 in tarifgebundenen Betrieben beschäftigt, die Mitglied des Arbeitgeberverbandes vbm sind.

Quelle:
Timo Günther
Pressesprecher
IG Metall Bezirk Bayern
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Letzte Änderung: 21.04.2021